England

Ende der 1960er Jahre bestand das britische Warnnetz hauptsächlich aus alten Motorsirenen aus dem Zweiten Weltkrieg, sehr vielen Handsirenen und Leuchtkugeln für die Fallout-Warnung. Mit diesen Warnmitteln konnte allerdings nur ein Bruchteil der Bevölkerung erreicht werden. Besonders in ländlichen Gegenden war die Abdeckung ziemlich lückenhaft. Im Vergleich zur Effizienz waren die Kosten zur Instandhaltung dieser antiquierten Warnmittel absolut unverhältnismäßig, so dass das für den Warndienst zuständige Home Office eine Erneuerung des Warnnetzes plante.

Im Zuge dessen schaute man sich auch das Warnnetz in Deutschland an, welches zu dieser Zeit gerade großflächig mit Hochleistungssirenen ausgebaut wurde. Nach regem Austausch mit den deutschen Behörden und PINTSCH BAMAG bestellte das Home Office zwei Muster HLS, welche im Bezirk Harrogate aufgestellt und intensiv getestet wurden. Es wurden mindestens zwei Testläufe im November 1969 und April 1970 durchgeführt.

Bei den Anlagen handelte es sich um eine Standard F71 von Hörmann und eine modifizierte Anlage 2 von PINTSCH BAMAG. Diese modernisierte Anlage 2 wurde vom englischen Ableger der PINTSCH BAMAG in Essex gebaut, nutzte überwiegend Komponenten von heimischen Anbietern und ähnelte im Aufbau der F71. Lediglich der Sirenenkopf und -motor wurde aus Deutschland geliefert und entsprachen der ursprünglichen Anlage 2.

Erstaunlich in diesem Zusammenhang ist, dass das Geschäft mit den HLS in Deutschland zu dieser Zeit schon längst von Hörmann übernommen und PINTSCH BAMAG sich in der Liquidation befand. Woher die Sirenenköpfe der Anlage 2 daher stammten ist fraglich. Ebenso ist unklar in wie weit der Ableger in Essex von der Insolvenz der Mutter in Deutschland betroffen war.

Da Hörmann ausschließlich Anlagen aus deutscher Produktion verkaufen wollte und den Auftrag nur inkl. Aufbau und Wartung angenommen hätte, wurden die weiteren Planungen mit PINTSCH BAMAG Essex durchgeführt. Unterlagen des Home Office sagen aus, dass sehr konkret geplant wurde, in den kommenden 10 Jahren ca. 2000 PINTSCH BAMAG HLS in einem 5km Raster über Großbritannien zu verteilen. Dies hätte zu damaligen Preisen insg. 12 Millionen Pfund gekostet. Als erstes wären 10 Anlagen in einem erweitertem Testgebiet in Südengland aufgestellt worden.

Im Januar 1971 wurde am "Civil Defence College" in Easingwold eine Schulung aller hauptamtlichen Mitarbeiter des Royal Observer Corps abgehalten. Dort gab es auch einen kurzen Vortrag des Home Office über die Zukunft des britischen Sirenennetzes. In den vorliegenden Dokumenten dazu war auch eine Skizze der PINTSCH BAMAG Anlage enthalten. Ebenso handschriftliche Notizen des Vortrags inkl. Nennung der Standorte beider Muster HLS.

Irgendwann nach 1971 wurde aus bisher nicht bekannten Gründen das Projekt zur Erneuerung des Sirenennetzes komplett gestoppt. Nicht nur, dass keine der geplanten HLS aufgestellt wurde, auch sonst wurden in den Jahren bis zur Auflösung des britischen Warndienstes in den 90ern keinerlei Erneuerungen ausgeführt.

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Knaresborough - Wingate Farm

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